
Zwei Jahre Selbstständigkeit – ein Fazit
Schon echt crazy, wenn ich mir klarmache, dass ich bereits seit zwei Jahren beruflich selbstständig bin. Und ein guter Moment, mal wieder zu reflektieren, wie es läuft, was mir gefällt – und was vielleicht nicht.
Was genau mache ich eigentlich?
Tatsächlich ist es ein kreativer Mix und bunter Blumenstrauß. Ich hatte schon immer das Privileg, dass ich beruflich Dinge gemacht habe, mit denen ich mich inhaltlich voll und ganz identifizieren konnte. Und das ist auch in meiner Selbstständigkeit glücklicherweise immer noch so. Am Anfang habe ich alles ausprobiert, schon alleine, um mich finanzieren zu können, aber nach und nach kristallisierten sich einige Schwerpunkte heraus:
Aktuell gebe ich Workshops für Jugendliche in und aus Mittelschulen. Hier geht es darum, gemeinsam mit ihnen ihre Stärken, Talente und Interessen zu entdecken, um ihnen bei ihrer Persönlichkeitsfindung und beruflichen Orientierung zu helfen.
Außerdem gestalte und moderiere ich einen Podcast mit und für Jugendliche und spreche mit ihnen über die Themen und Fragen, die sie bewegen: Was ist Glück? Wie setze ich mir Ziele? Wie finde ich meinen Weg? Wie komme ich aus einer schwierigen Situation wieder heraus?
Und ich mache die strategische Kommunikation für diverse soziale Gesundheitsprojekte. Nebenher gibt es immer nochmal kleinere Projekte oder Einzel-Aufträge, aber im Großen und Ganzen ist das für mich ein gelungener, abwechslungsreicher und interessanter Mix.
Will ich zurück in eine Festanstellung?
Aktuell nein. Natürlich hängt das Ganze von meiner Auftragslage ab. Vielleicht bin ich irgendwann gezwungen, wieder in eine Festanstellung zu wechseln. Aber gerade liebe ich meinen Mix an beruflichen Tätigkeiten und würde gar nicht eine von ihnen Fulltime machen wollen. Gerade die Mischung macht’s!
Arbeite ich mehr oder weniger als vorher?
Dazu habe ich einen eigenen Blogeintrag geschrieben. Es ist in der Tat nicht möglich, eine genaue Stundenanzahl zu bestimmen, die ich aktuell in meine Selbstständigkeit investiere. Zum einen mache ich manches gleichzeitig, zum anderen gibt es auch viele Tätigkeiten, die zu meinem Business gehören, die aber nicht bezahlt werden. Dazu gehören nicht nur die ganzen buchhalterischen und Orga-Aufgaben wie Belege sortieren, Listen führen, Unterlagen für meine Steuerberaterin zusammenstellen, Rechnungen schreiben, Geldeingänge prüfen, sondern auch viele Meetings, Calls und Besprechungen zu potentiellen neuen Aufträgen, woraus aber nicht immer etwas wird – oder erst einige Monate später, wenn ich schon gar nicht mehr daran denke. Außerdem mache ich mit meinem Freund ja noch unseren gemeinsamen Podcast „Irgendwas mit Sport“, der auch eine Menge Zeit kostet und uns kein Geld, aber gute Kontakte und auch den einen oder anderen Auftrag einbringt. Insgesamt ist es aber vor allem ein tolles Projekt, das eine Menge Spaß macht.
Tatsächlich ist mir gar nicht so wichtig, zu wissen, wieviele Stunden ich arbeite. Sondern, dass es mir Spaß macht.
Was gefällt mir an der Selbstständigkeit?
Meine freie Zeiteinteilung. Das macht bei mir einen so enormen Unterschied in meiner Lebensqualität aus. In meinem früheren Job kam erst die Arbeit, dann der Rest. Nach den beruflichen Terminen und Geschäftsreisen habe ich den mickrigen Rest für mein Privatleben aufgewendet, für das ich dann ganz oft keine Energie mehr hatte. Natürlich war das auch meiner eigenen Prioritätensetzung geschuldet.
Das ist nun ganz anders. Natürlich gibt es von außen vorgegebene Termine, aber die halten sich absolut im Rahmen. Vielmehr kann ich meinen Tag oft so gestalten, dass es mir persönlich entgegenkommt. Wenn ich weniger Energie habe, mache ich weniger. Wenn ich voller Power bin, arbeite ich alles ab, was des Weges kommt. Ist das Wetter unter der Woche schön, lege ich einen Wandertag ein und sitze dafür an einem regnerischen Sonntag vor dem Laptop. Meine Sporttermine haben Priorität und ich drapiere nun die Arbeit drumherum, nicht wie früher umgekehrt. Ich habe daher auch kein Problem, morgens laufen zu gehen und erst um 10 Uhr mit der Arbeit zu starten und dafür dann nach dem Abendessen noch einmal einen Artikel zu texten.
Was früher auch nicht wirklich möglich war, waren Workations. Ich habe schon immer gerne mal 4 Wochen am Stück im Ausland verbracht und habe dafür all meine Urlaubstage quasi am Stück verwendet, was das restliche Arbeitsjahr dann sehr anstrengend gemacht hat. Durch meine Selbstständigkeit kann ich zumindest teilweise remote arbeiten. Ob ich dabei in meiner Wohnung in München oder wie jetzt gerade in einem Penthouse auf Mallorca sitze, ist wurscht. Und das liebe ich. Gerade startet nämlich unsere Workation, die zwei Monate dauern wird: 6 Wochen arbeiten wir von Mallorca aus und zwei Wochen in Portugal. Wir wohnen am Meer, gehen laufen und tauchen, springen zwischen Online-Meetings in den Pool und stecken abends unsere Füße in einer Strandbar in den Sand. Das schafft für mich persönlich unfassbar viel Lebensqualität.
Und noch ein weiterer Punkt: Ich wirtschafte in meine eigene Tasche und verfolge mein eigenes Ziel, statt das Ziel meiner Chefs. Das ist für meine Motivation enorm förderlich. Wenn ich früher noch eine Aufgabe mehr auf den Tisch bekommen habe, hieß das, noch schneller zu arbeiten, um das auch noch unterzubekommen. Jetzt bedeutet eine Aufgabe mehr auch gleichzeitig mehr Geld.
Was gefällt mir nicht?
Ich habe ein großes Sicherheitsmännchen auf meiner Schulter sitzen. Daher wäre ich in meiner beruflichen Selbstständigkeit nicht so glücklich, wenn ich ständig neu akquirieren müsste und jeden Monat neue Auftraggeber an Land ziehen müsste. Ich bin – zumindest aktuell – in der Position, dass ich mehrmonatige Aufträge habe, die es mir ermöglichen grob mein Jahreseinkommen zu kalkulieren und damit eine gewisse finanzielle Sicherheit zu haben. Aber natürlich kann sich das alles schnell ändern. Bricht einer meiner Aufträge weg, muss ich schnell etwas Adäquates finden, was am besten genauso viel oder mehr Geld einbringt und mir hoffentlich auch genauso viel Spaß macht. Aber das ist eben das „Risiko“ an einer Selbstständigkeit.
Was ist mein Ziel?
Ich glaube, jeder, der selbstständig ist, muss sich irgendwann entscheiden, ob er*sie möglichst viel Geld scheffeln will oder den Schwerpunkt eher auf möglichst viel Freizeit legen möchte. Vielleicht gibt es auch ein paar wenige Menschen, die beides schaffen, aber in dieser Position bin ich aktuell nicht.
Auch wenn es immer wieder verlockend ist, möglichst viel Geld zu verdienen, habe ich mich nun entschieden, meinen Fokus auf mehr Freizeit zu legen. Mein Plan ist, genug zu verdienen, um okay davon leben zu können, und lieber eine Wanderung mehr zu machen, als einen Auftrag mehr abzuarbeiten.
Lieber investiere ich jetzt in meine Gesundheit, verdiene etwas weniger Geld und arbeite in meiner Rente (die dann wohl finanziell nicht ausreicht) noch einen oder zwei Tage die Woche, weil ich gesundheitlich dazu in der Lage bin, um mir etwas dazuzuverdienen, als dass ich mich jetzt zu Tode arbeite, möglichst viel Geld scheffle und dann in der Rente die gesundheitliche Quittung kriege und meine Zeit gar nicht nutzen kann. Mir ist bewusst, dass – obwohl ich viel für meine Gesundheit tue – ich natürlich trotzdem krank werden kann. Im Worst Case bin ich dann krank und arm. Aber ich gehe mal vom Best Case aus!
Wie geht es weiter?
Natürlich bin ich trotzdem immer am Ausschau halten nach weiteren Aufträgen, einfach, um mich nicht von einem Auftraggeber abhängig zu machen. Parallel habe ich in den letzten Monaten eine Weiterbildung zur „Persönlichkeitstrainerin für Jugendliche“ absolviert. Daher würde ich gerne mit Firmen / Ausbildern und Auszubildenden zusammenarbeiten, um mit Workshops die interne Kommunikation, Stressmanagement und den Generationenkonflikt zu thematisieren. Außerdem macht mir die Planung und Moderation von Podcasts total viel Spaß, desweiteren kann ich mir auch vorstellen, noch mehr in die journalistische Richtung zu gehen und Artikel zu schreiben. Nicht über tagesaktuelle News, sondern über inhaltlich relevante Themen.
Wer also hier Bedarf hat, Kontakte vermitteln möchte oder etwas weiß: Jederzeit gerne melden.