Roadtrip München – Mallorca & zurück
Einige Zeit, nachdem die Entscheidung gefallen war, Januar bis April 2026 auf Mallorca zu verbringen, kam uns erst der Geistesblitz, nicht nach Mallorca zu fliegen, sondern: Mit dem Auto zu fahren. Für deutsche Wohnungs- und Fincabesitzer auf Mallorca ein total üblicher, nicht weiter erwähnenswerter Vorgang – da wir aber leider nicht zu diesen Personen gehören, kam uns das lange Zeit gar nicht in den Sinn.
Mit wachsender Packliste, dem Wunsch unsere eigenen Fahrräder mitzunehmen und der Notwendigkeit, vor Ort mobil sein zu müssen, machte die Idee, mit dem Auto nach Mallorca zu fahren, plötzlich aber total Sinn. Und nicht nur das: Sie machte auch unerwartet viel Spaß!
Ich habe ja in der Tat schon ganz unterschiedliche Urlaube in meinem Leben gemacht, aber noch nie einen klassischen Roadtrip. Mangels Erfahrung hatte ich dadurch erst einmal einige Fragezeichen und Bedenken: Kann man nur mit Allwetterreifen mitten im Winter durch die Schweiz fahren? (Ja, kann man, es sind AUTOBAHNEN!). Wird das Auto aufgebrochen oder geklaut? (Nein!) Werde ich auf der Fähre seekrank? (Diesmal nicht, da das Meer sehr glatt war.) Geht unser altes Auto kaputt? (Glücklicherweise nein!). Bauen wir einen Unfall? (Glücklicherweise auch nein.).
Und so machten wir uns an die Planung unseres Roadtrips nach Mallorca. Da die Hinreise kurz vor Silvester startete und damit außerhalb der Saison stattfand, kam nur die Fähre von Barcelona nach Palma de Mallorca in Frage. Und da wir beide nicht gerne stundenlang oder gar durch die Nacht fahren wollten, planten wir entsprechend viel Zeit für die ca. 1.500 Kilometer Fahrstrecke ein. Was in den Übernachtungen in tollen Orten resultierte:
Luzern – Ort der Brücken
Von Anselm auch gerne Lausanne genannt, machten wir an Tag 1 eine Mittagspause in Luzern, um uns die malerische Stadt am Vierwaldstätter See anzuschauen.
Bei grauem Himmel und um die null Grad spazierten wir also über die Kapellbrücke und schlenderten durch die Altstadt, vorbei am Wasserturm, dem Rathaussteg und über die Seebrücke. Viel Zeit war nicht, aber für einen ersten bzw. bei mir zweiten Eindruck reichte es. Auf jeden Fall nett, aber im Sommer bestimmt schöner.

Genf – die Stadt des Käsefondues
In Genf waren wir beide noch nie. Deshalb war das der erste Übernachtungsstopp und ich hatte wohlweislich bereits diverse Restaurants für Käsefondues ergoogelt und uns einen Tisch im Café du Soleil reserviert. Dorthin trabten wir also direkt nach unserer Ankunft in unserem Hotel. Gefüllt mit viel goldgelbem Käse und Baguettescheiben rollten wir anschließend wieder zurück. Müde, aber glücklich.
Den Stadtbummel verlegten wir aufgrund von Kälte und Dunkelheit dann auf den nächsten Morgen. Wieder eine Stadt, wieder am See, diesmal am Genfer See mit Wind und einigen Wellen. Nach Zürich ist Genf die zweitgrößte Stadt der Schweiz und liegt am südwestlichen Zipfel der Romandie, quasi knapp vor Frankreich.
Neben New York beheimatet Genf weltweit die meisten internationalen Organisationen, wie z.B. UNO, CERN, WHO und WTO. Dafür hatten wir aber keine Zeit, uns blieben nur ein, zwei Stündchen, um die Altstadt mit der Kathedrale St. Peter zu besichtigen. Und natürlich durfte die Blumen-Uhr nicht fehlen.

Annecy – Weihnachtsmarkt trifft Mittelalter
Und schon ging es weiter, über die Grenze nach Frankreich und zu einem späten zweiten Frühstück nach Annecy, nur 40 km von Genf entfernt. Ein süßer Ort, der uns echt gut gefallen hat. Hier kam das erste Mal auf unserer Fahrt etwas Sonne raus und wir schlenderten nicht nur durch die Altstadt, sondern über den noch vorhandenen Weihnachtsmarkt.
Übrigens die dritte Stadt am See, diesmal am Lac d’Annecy. Dominiert wird der Ort von der mittelalterlichen Burg Chateau d’Annecy, zu der wir natürlich auch raufmarschierten, um unseren Weihnachtsmarkt-Snack wieder abzutrainieren. Annecy ist eine klare Empfehlung für alle, die kleine Örtchen mit mittelalterlichem Charme mögen.
2012 wurde Annecy übrigens zur Alpenstadt des Jahres gekürt. Was auch immer das bedeutet, aber verdient hat der Ort es auf jeden Fall!

Avignon – Heimat von Graf Dracula
Am Nachmittag erreichten wir dann unseren zweiten Übernachtungsstopp, nämlich Avignon. Die Stadt liegt mal nicht an einem See, dafür am östlichen Ufer der Rhone in der Provence in Südfrankreich und wird auch die Stadt der Päpste genannt.
Beeindruckt hat mich nämlich nicht die halbe Brücke, zu der es auch ein Lied gibt, das vielleicht der ein oder andere kennt, sondern der Papstpalast. Uninformiert wie ich bin, hatte ich davon noch nie gehört und war entsprechend überrascht und in der Tat überwältigt, als ich in der Altstadt um die Ecke bog und plötzlich neben einer hoch aufragenden Mauer stand, die zum Papstpalast gehörte. Es war bereits dunkel und nur wenige Fenster waren beleuchtet – so hatte ich mir immer das Zuhause von Graf Dracula vorgestellt. Aber es war eben der gotische Papstpalast, der im 14. Jahrhundert erbaut wurde.
Ich habe ja schon viele Bauwerke auf meinen Reisen gesehen, aber davon war ich echt beeindruckt. Auch hier eine klare Besuchs-Empfehlung. Die Altstadt wird übrigens von einer intakten Befestigungsmauer umgeben. Hier feierten wir zudem Silvester, wenn auch ohne Feuerwerk, denn wie der Kellner im Restaurant auf unsere Nachfrage meinte: „Wir sind doch nicht in Paris!“. Okay!

Girona – positive Überraschung
Und schon war Tag 3 angebrochen. Bei Tageslicht wirkte der Papstpalast in Avignon nicht mehr so beeindruckend wie am Abend zuvor, also ging es weiter nach Spanien. Mittags machten wir einen Stop in Girona, für jeden Triathleten quasi ein Muss, schließlich hat THE GOAT Jan Frodeno hier einige Jahre gelebt und noch immer tummeln sich hier zahlreiche Triathleten und Radsportler. Deshalb auch wir!
Wir hatten uns von dem Ort gar nicht so viel erwartet, wurden aber positiv überrascht. Wir spazierten zu der Kathedrale Santa Maria, der Haupt- und Bischofskirche des Bistums Girona in Katalonien, die den obersten Punkt der terrassenförmigen, historischen Stadtbebauung darstellt.
Außerdem hat man von dort einen tollen Blick auf Girona und das Umland und kann noch durch kleine Gärtchen spazieren und auf den Mauern herumturnen.

Barcelona – der Klassiker
Barcelona kannten wir beide schon, wobei mein Besuch in Barcelona schon – puh – 19 Jahre her ist, als ich von dort aus meine Interrail-Reise durch Spanien und Marokko startete. Ich werde alt.
Aber Barcelona gefällt mir nach wie vor sehr gut, weil ich sie für eine Großstadt einfach toll finde. Und das sage ich nicht von vielen Großstädten. Hier hatten wir einen ganzen Puffertag eingeplant, um auf jeden Fall abends die Fähre nach Mallorca zu erwischen.
Deshalb hatten wir genügend Zeit, die klassischen Sehenswürdigkeiten abzulaufen, wie natürlich die La Sagrada Familie und die diversen Hinterlassenschaften von Antoni Gaudi, Eusebi Güell etc.

Finale Ligure – Mountainbike- & Kletter-Paradies
So, Achtung, jetzt kommt ein großer Sprung zur Rückfahrt, denn leider mussten wir nach vier Monaten nach Mallorca auch irgendwann wieder nach Hause. Da inzwischen die Reisesaison gestartet hatte, konnten wir diesmal die Fähre von Alcudia auf Mallorca nach Toulon in Frankreich nehmen und sparten uns so einige Autokilometer. Dafür dauerte die Fähre statt wie auf der Hinfahrt 7-8 Stunden nun 16 Stunden.
In Toulon angekommen nutzen wir den Rest des Tages, um noch an der Côte d’Azur entlang bis Finale Ligure in Italien zu komme, einer Stadt in der Provinz Savona, rund 60km südwestlich von Genua.
Wir dachten ja nach Mallorca, es gibt keinen Ort, der mehr Radfahrer anzieht, aber tatsächlich sammeln sich diese auch in Finale Ligure. Allerdings keine Radrennfahrer, sondern Mountainbiker. Und auch bei Kletterern steht der Ort hoch im Kurs. Beides keine meiner Sportarten, deshalb beschränkten wir uns auch hier wieder auf unseren Sightseeing-Spaziergang, unter anderem in den Stadtteil Finalborgo mit einer alten hohen Stadtmauer und vier Stadttoren.

Trient – mein Wohlfühlort
Mein persönliches Highlight an Tag 2 unserer Rückreise: Hier hätte ich direkt bleiben können. Die Hauptstadt der Autonomen Region Trentino-Südtirol war zumindest für einen Tag mein persönlicher Wohlfühlort, was vielleicht auch einfach an dem traumhaften Wetter lag. Da sieht jeder Ort eigentlich toll aus.
Unser Hotel war direkt an der Etsch gelegen, an der wir dann auch zum Ausgleich zum ständigen Im-Auto-Sitzen entlangjoggten. Und weil es so schön war, joggte ich am nächsten Morgen vor der Abfahrt gleich nochmal am Fluss entlang. 55km südlich von Bozen liegt Trient umgeben von Bergen im Etschtal und hat ca. 120.000 Einwohner.
Als wir dort waren, fand gerade das Filmfestival zum Thema „Berge und Kulturen“ statt. Es ist das älteste und renommierteste internationale Film Festival, das sich den Bergen widmet und wurde 1952 ins Leben gerufen. Leider fehlte es uns dafür an Zeit und Sprachkenntnissen, deshalb nutzen wir unseren Aufenthalt, um möglichst viel Eis und Pizza zu essen.

Und am nächsten Tag ging es dann schon nach München zurück. Nach vier Monaten auf Mallorca war es perfekt, nicht innerhalb von 2 Stunden Flugzeit wieder in München zu landen, sondern sich drei Tage Zeit zu nehmen, um Schritt für Schritt wieder zuhause anzukommen.
Nicht nur mit dem Körper, sondern eben auch mit dem Kopf. Sich von dem Alltag auf Mallorca zu verabschieden und sich auf den neuen alten Alltag in München zu freuen.
Mein Fazit: Roadtrips machen Spaß – vor allem, wenn nicht das Fahren im Vordergrund steht, sondern das Kennenlernen neuer Orte. Wenn Zeit zum Erleben, zum Genießen und auch zum Sporteln bleibt. Gerne wieder!